RTK Post
🖼️ Bild laden
RTK Post

Warum deine besten Mitarbeiter nach 3 Wochen aufhören, KI zu nutzen – und die 6 Skills, die sie gerettet hätten

Basierend auf einer Microsoft-Studie mit 300'000 Mitarbeitenden zeigt sich: KI ist kein Tool-Skill, sondern ein Management-Skill.


Das Problem: 80% geben auf

Ende 2025 veröffentlichte Microsoft eine Studie, die kaum Beachtung fand – aber es verdient hätte. Die Forscher verfolgten 300'000 Mitarbeitende bei der Nutzung von KI-Copilot. Das Ergebnis war ernüchternd:

«Die Begeisterung erreichte in den ersten drei Wochen ihren Höhepunkt, dann kam der Krater der Enttäuschung. Die meisten hörten einfach still auf, KI zu nutzen.» [00:12]

Die 80-20-Regel gilt hier auf die schlimmste Art: Nur etwa 20% der geschulten Mitarbeitenden nutzen KI aktiv, 80% der Lizenzen liegen brach.

Was ist passiert? Die Mitarbeitenden haben es versucht:


Die Lücke in der Mitte

Das Training-Problem lässt sich so zusammenfassen:

LevelWas gelehrt wirdStatus
101Tool-Touren, Prompting-Grundlagen, generische Use Cases✅ Funktioniert
201Wo passt KI in meinen Workflow? Wann ist der Output vertrauenswürdig?Wird übersprungen
401API-Integration, RAG-Architekturen, Fine-Tuning✅ Funktioniert
«Die 201-Ebene ist, wo sich die Frage verschiebt: Von 'Wie benutze ich dieses Tool?' zu 'Wo passt dieses Tool in meinen Workflow? Und wie weiss ich, wann der Output vertrauenswürdig ist?'» [03:15]

Das strategische Problem: Die meisten Organisationen behandeln dies als Technologie-Adoptionsproblem. In Wahrheit ist es ein organisatorisches Fähigkeitsproblem.


KI ist Management, nicht Prompting

Ethan Mollick bringt es auf den Punkt:

«Die besten KI-Nutzer sind gute Manager, gute Lehrer. Die Fähigkeiten, die dich gut in KI machen, sind keine Prompting-Skills – es sind People-Skills.» [04:02]

Die Implikationen sind weitreichend:

«Würdest du einem brandneuen Praktikanten ein 100-seitiges RFP geben und sagen 'Erledige das'? Natürlich nicht. Du würdest die Arbeit in Teile zerlegen, erklären was 'gut' aussieht, die Arbeit prüfen und konstruktives Feedback geben. Das ist genau die Einstellung, die wir für die Arbeit mit KI brauchen.» [05:25]

Das Jagged-Frontier-Problem

KI ist «zackig» – sie hat bei verschiedenen Aufgaben völlig unterschiedliche Fähigkeiten. Eine BCG-Harvard-Studie zeigte:

Innerhalb der KI-Fähigkeitsgrenze:

Ausserhalb der KI-Fähigkeitsgrenze:

«Menschen haben ein einziges mentales Modell für ihre KI-Nutzung. Sie nehmen an, KI ist 'wahrscheinlich gut bei Berichten' oder 'wahrscheinlich gut bei Tabellen'. Ihnen fehlt die Nuance, um herauszufinden, wo KI tatsächlich nützlich ist.» [07:45]

Zentauren vs. Cyborgs

Die Studie identifizierte zwei erfolgreiche Arbeitsmuster:

🐴 Zentauren

🤖 Cyborgs

«Der 201-Skill ist zu wissen, welches Muster zu welcher Aufgabe passt – und idealerweise zwischen beiden wechseln zu können.» [09:55]

Die 6 entscheidenden 201-Skills

Keiner davon ist ein Prompting-Skill.

1. Context Assembly

Wissen, welche Informationen aus welchen Quellen bereitzustellen sind – und warum.

«Der 101-Nutzer kippt entweder ganze Dokumente in die KI oder gibt fast keinen Kontext. Beides produziert mittelmässige Ergebnisse.» [11:12]

2. Quality Judgment

Wissen, wann man dem KI-Output vertrauen kann – und wann man verifizieren muss.

«KI kann akkurate Informationen selbstbewusst darlegen und halluziniert manchmal im exakt gleichen Absatz.» [11:48]

3. Task Decomposition

Arbeit in KI-geeignete Teile zerlegen – statt die ganze Aufgabe reinzuwerfen oder zu vermeiden.

4. Iterative Refinement

Von 70% zu 95% durch strukturierte Durchgänge.

«Der 201-Nutzer behandelt den ersten Entwurf als Startpunkt – genau wie du den ersten Entwurf eines Praktikanten nicht akzeptieren würdest.» [12:32]

5. Workflow Integration

KI in die tatsächliche Arbeitsweise einbetten – statt sie als Nebentool zu behandeln.

Der Unterschied: «Ich probier das KI-Ding später mal» vs. «So machen wir RFPs jetzt einfach.»

6. Frontier Recognition

Wissen, wann man ausserhalb der KI-Fähigkeitsgrenze operiert.

«Dieser Skill verhindert den bösen 19-Prozentpunkte-Performance-Einbruch.» [13:28]

Was blockiert die Adoption wirklich?

❌ Angst, etwas falsch zu machen

«Ohne wirklich klare organisatorische Führung, die zu 'Ja' tendiert, sehen talentierte Leute KI als Risiko und vermeiden sie.» [14:15]

Die 201-Lücke ist nicht nur eine Skill-Lücke – sie ist eine Erlaubnis-Lücke.

❌ IT-Abteilungen denken falsch

«IT denkt in Systemen, Inputs, Outputs, deterministischen Prozessen. KI funktioniert so nicht. KI verhält sich wie ein Mensch.» [15:25]

❌ Individuelles Lernen skaliert nicht

«Die Produktivitätsgewinne, die einzelne Power-User in deiner Org erreichen, übertragen sich nicht automatisch auf ihre Teamkollegen – es sei denn, ihr investiert Arbeit.» [16:10]

⏰ Die Zeitbombe: Das Lehrlings-Modell kollabiert

«Junior-Mitarbeitende entwickelten früher ihr Urteilsvermögen durch Routinearbeit – Research, erste Entwürfe. Wenn Organisationen diesen Pfad nicht neu aufbauen, werden sie ein Urteilsdefizit haben, das sich über die Zeit verschärft.» [16:52]

Konkrete Massnahmen für Organisationen

  1. KI-Labs mit Power-Usern gründen – nicht nur mit Tech-Nerds
  2. Systematische Discovery über alle Funktionen (Trek Bicycle: 40+ Use Cases)
  3. Erfolge sichtbar machen – Low-Stakes-Wettbewerbe, Social Proof
  4. In Stunden investieren – >5h formales Training = doppelt so wahrscheinlich regelmässige Nutzung
  5. Leitplanken explizit definieren – und auch positive Nutzung beschreiben
  6. Failure Cases systematisch teilen – Wissen, wo KI versagt

Fazit

«Der Unterschied zwischen KI-Aktivität und KI-Fluenz ist nicht welche Tools du einsetzt. Es geht darum, ob du in die Urteilsschicht investiert hast, die diese Tools verlässlich macht.» [20:25]

Die 201-Challenge ist lösbar – wenn deine Organisation bereit ist, in die mittlere Schicht zu investieren, die die meisten Trainingsprogramme überspringen.

Verlier nicht deine 201-Leute. Sie sind unglaublich wertvoll.


Quelle